Ausstellung: Die Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte

04. Juni 2021 bis 09. Januar 2022, Landesmuseum für Vorgeschichte

In der Sonderausstellung werden die Ergebnisse der weitreichenden Forschungen rund um die Himmelsscheibe von Nebra der vergangenen 20 Jahre in einer einzigartigen Verknüpfung von Naturwissenschaft, Archäologie, Gesellschaftstheorie und Kunst präsentiert. Neue Funde und Befunde aus Sachsen-Anhalt werden durch hochrangige Objekte von über 50 Leihgebern aus dem In- und Ausland (wie zum Beispiel dem goldenen Cape von Mold oder dem Goldhut von Schifferstadt) ergänzt und in bewährt exklusiver Gestaltung in Szene gesetzt. Den roten Faden bildet die zeitliche Ordnung des archäologischen Kulturguts vom Ende der Steinzeit bis in die mittlere Bronzezeit, etwa 1.400 Jahre Menschheitsgeschichte.

Das Ende der Steinzeit

Bahnbrechende genetische Forschungen eröffnen uns heute ein neues Verständnis der Gesellschaften am Ende der Steinzeit. Gemeinschaften aus der pontischen Steppeverbreiteten sich in nur wenigen Jahrhunderten bis nach Mitteleuropa, brachten Rad, Wagen und Pferd mit, aberauch die Pest. Einige Jahrhunderte später wanderten erneut Männer aus dem Osten ein, deren Relikte eng mit dem Wissen um Erzverhüttung verknüpft sind. Mehr als 300 Jahre lang lebten diese verschiedenen Bevölkerungsgruppen in friedlicher Koexistenz. Geeint durch politischen Willen entstand daraus eine Gesellschaft, der die Himmelsscheibe von Nebra als mächtiges Symbol diente.

Die Ausstellung illustriert diese Entwicklung mit neuen, aufsehenerregenden Blockbergungen von Grabfunden und dem Ringheiligtum von Pömmelte, das erstaunliche Parallelen zu Stonehenge aufweist.

Das Reich der Himmelsscheibe

Mit der Bronzeverwendung etablierte sich Herrschaft dauerhaft, in weit voneinander entfernten Gebieten Europas. In Mitteldeutschland standen bislang für Hierarchie und Reichtum vor allem die Prachtgräber von Leubingen und Helmsdorf. Neue Untersuchungen des Großgrabhügels Bornhöck im reichen Dieskauer Land ermöglichen ein umfassenderes Verständnis für die zentrale Organisation von Herrschaft und ihre Grundlagen.

Hinter den Horizont – Reisen bis ans Ende der Welt

Aktuelle Grundlagenforschungen zur Herkunft des Kupfers, Zinns und Goldes, aus denen die Himmelsscheibe hergestellt worden ist, und zur Verbreitung des Bernsteins weisen auf ein weites Austauschnetz Gleichgesinnter. Auch die Suche nach den Vorbildern des Weltbildes führt uns im Süden weit übers Mittelmeer. Beispielhaft für den Fernhandel zur Zeit der Niederlegung der Himmelsscheibe werden die neuen Untersuchungen zum Glas vorgestellt, mit Funden aus unserer Region, Südskandinavien, Ägypten und Mesopotamien.