Ahnen sind hipp! Geschichten aus anderen Generationen

Vor einiger Zeit beschloss der Bruder meines Opas, in den Annalen der Familie Schütte zu stöbern. Er fand faszinierende Spuren bis zu einem gewissen Wilhelm von Zuccalmaglio, der in unserem Stammbaum auftaucht und mit der Kreation des Liedes "Kein schöner Land in dieser Zeit" verflochten ist. 2005 schrieb meine Oma auf, was sie auf der Flucht aus Schlesien nach Westdeutschland nach Kriegsende 1945 mit ihrer Familie durchmachte. 2017 erfuhr ich endlich, wer eigentlich mein Opa väterlicherseits war, und warum es über ihn mehrere Artikel in Archiven von Stern und Spiegel gibt. Es ist alles real. Es ist passiert. Viele Menschen haben Vorfahren, die sich in das heutige Deutschland durchkämpfen mussten. Die nicht willkommen waren. Es ist Zeit ihre Geschichten zu erzählen. Und es ist Zeit, dass wir Kinder dieser Kriegskinder wissen, wie viel das heute noch mit uns macht. Was haben uns unsere Vorfahren eigentlich so zu erzählen? Wir reden nur selten über das, was uns alle prägt. Die Vergangenheit unserer Eltern, unserer Großeltern, unserer Vorfahren. Darunter gibt es natürlich alles, glückliche und unglückliche Liebe, zu wenig und zu viel Zeit, zu wenig und zu viel Geld, Gemeinsamkeit, Einsamkeit. Natürlich haben die anders gelebt. Natürlich haben die ihr anders geführt als wir heute. Aber das lediglich die Mittel, in denen sich alle unterscheidet. Es gibt auch einiges, was wir gemeinsam haben. Großeltern, die im Krieg waren und jetzt zwanghaft gehört werden wollen. Erbstücke, die uns daran erinnern sollen welches Erbe wir tragen. Geschichten, die, hört man sie erst einmal, plötzlich ziemlich genau erklären, warum wir so sind, wie wir sind. Woher unsere Ängste kommen, unsere Sorgen, woher unsere Vorlieben, unsere Freizeitgestaltung, unser Versuch, etwas zu genügen. Und diese Geschichten versöhnen. Sie versöhnen mit dem, was war, um sich wieder dem zuwenden zu können, was ist und kommt. Posten wir unsere Ahnen auf Instagram. Zeigen wir Ihnen woher wir kommen und was uns ausmacht. Einmal angefangen, sich mit den Ahnen zu beschäftigen, finden wir genaue Anhaltspunkte für unsere Abgründe, unsere Sehnsüchte, und auch das, was wir nie wahrhaben wollten. Und schließlich lässt sich vielleicht erkennen, ob wir uns ähnlich sind oder nicht. Ob wir ähnlich Ängste, Nöte und Wünsche haben. Gehen wir gemeinsam einen Schritt zurück, damit wir genauer wissen, die nächsten Schritte vorwärts sicherer zu betreten sind. Viele Menschen haben Vorfahren, das ist klar. Also alle. Aber nur wenige wissen etwas über die Vergangenheit ihrer Ahnen, deren Geschichten, ihre Verbrechen, Verrücktheiten, Erfolge, Schicksale. Mein Opa war Hochverräter, meine Oma Flüchtling. Unter meinen Vorfahren war eine Prostituierte, und einen Landgasthof Schütte gibt es seit über 550 Jahren. Unsere Ahnen sind der Hammer, da ist alles vertreten! Also wird ihnen an diesem Abend wieder Leben eingehaucht. Geschichten werden erzählt, auch um Neue zu sammeln. Das ist alles wahr. Und so verrückt, dass es auf eine Bühne gehört. Dies ist eine Spielreihe über Ahnen. Eine Serie in die Vergangenheit. Ich finde: Wir erinnern uns zu wenig an das Vergangene, was sich auch greifen lässt. Nicht die Geschichtsbücher, unser ganz persönliches warum-bin-ich-eigentlich-hier? Meine Ahnen antworten mir: Wenn du das aushältst. Mach ruhig. Ahnen sind hipp!
Rubrik(en): 
Bühne
Lesungen und Vorträge
Termin(e): 
Freitag, 11. Oktober 2019 - 19:30
Freitag, 8. November 2019 - 19:30
Sonntag, 24. November 2019 - 18:30

Veranstaltungsort: 
Kaulenberg 1
06108 Halle (Saale)
Telefon: 
0160 958 37 948
Haltestelle: 
Moritzburgring