Cabaret

Der britische Autor Christopher Isherwood (1904 – 1986) kam Ende der 20er Jahre nach Berlin, um sich von der berauschenden Nachtwelt der Viermillionen-Metropole inspirieren zu lassen. Dort traf er Künstler aus aller Welt, die in der kosmopolitischen Weltstadt ihre Talente und vornehmen Süchte und – nicht zuletzt – ihre Sexualität offen ausleben konnten. Doch das wilde Leben war 1929 schon fast wieder vorbei. Tagsüber lernte Isherwood bald die Folgen von Arbeitslosigkeit, Inflation, bitterer Armut und politischen Unruhen kennen. Nazi-Schlägertrupps wiesen den gesellschaftlichen Fortschritt brutal in seine Schranken und der Tanz auf dem Vulkan steuerte auf seinen Höhepunkt zu. Seine Beobachtungen schrieb Isherwood in seinen Berlin Stories nieder, aus denen 1951 das Bühnenstück I am a Camera von John Druten entstand. Fünfzehn Jahre später komponierten John Kander und Fred Ebb daraus ein Musical. Und so wurde der junge Cliff Bradshaw, der als Nachhilfelehrer jobbte, am Nollendorfplatz billig zur Untermiete bei Fräulein Schneider wohnte und mit dem Showgirl Sally Bowles aus dem KIT KAT KLUB befreundet war, zu Isherwoods Alter Ego. Zur Premiere 1966 lockte ein diabolischer Master of Ceremonies am New Yorker Broadway die sich in einem riesigen Zerrspiegel wiedererkennenden Zuschauer mit ,,Willkommen, Bienvenue, Welcome“ hinein in das berüchtigte Etablissement der untergehenden Weimarer Republik. Aus dem Feiern und Trinken gegen die Sorgen des Alltags wurde in Cabaret bald ein nüchternes Erwachen. Cliff wird von seinem besten Freund, einem Hitler-Anhänger, zusammengeschlagen und verlässt die Stadt. Das alte Fräulein Schneider heiratet ihren Freund Herrn Schultz nicht, weil er Jude ist. Parallelen zu den Rassendiskriminierungen in den USA der 60er Jahre lagen damals nah. So wurde das Musical auch zu einer neuen Form politisch ambitionierter Unterhaltung und über Nacht zum Welterfolg. 1972 folgte der legendäre Film mit Liza Minelli als Sally Bowles und Joel Grey als Conferencier. Die an sich schon eingängigen, jazzigen Cabaret-Songs, die bereits Judy Dench und Lotte Lenya unvergesslich interpretiert hatten, wurden für das Kino um die Welthits ,,Money“, ,,Mein lieber Herr“ und ,,Maybe this time“ erweitert. Von seiner Faszination und politischen Brisanz hat das Musical bis heute nichts verloren. Die erfolgreiche Zusammenarbeit von neuem theater und Oper mit Brecht/Weills Dreigroschenoper und dem Musical Annie geht hiermit in ihre nächste Runde. Begleitet von der Staatskapelle Halle stehen Mitglieder des Jugendchores der Oper Halle gemeinsam auf der Bühne mit Nachwuchsschauspieler*innen aus dem Schauspielstudio und bekannten Gesichtern des nt wie Cynthia Cosima Erhardt (Sally Bowles), Hagen Ritschel (Conferencier), Matthias Brenner (Herr Schultz) sowie als Gast vom Deutschen Theater Berlin Barbara Schnitzler (Fräulein Schneider). Es inszeniert die stellvertretende Intendantin des nt Henriette Hörnigk, von der auf der Opernbühne bereits Wut von Elfriede Jelinek, Die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht und Kurt Weill sowie Nackt über Berlin von Axel Ranisch zu sehen war.
Rubrik(en): 
Bühne
Termin(e): 
Sonntag, 27. Oktober 2019 - 18:00
Donnerstag, 31. Oktober 2019 - 19:30
Freitag, 1. November 2019 - 19:30
Montag, 23. Dezember 2019 - 19:30
Freitag, 13. Dezember 2019 - 19:30
Samstag, 21. Dezember 2019 - 19:30
Dienstag, 31. Dezember 2019 - 15:00
Dienstag, 31. Dezember 2019 - 19:30
Sonntag, 2. Februar 2020 - 18:00
Samstag, 14. März 2020 - 19:30
Samstag, 21. März 2020 - 19:30
Donnerstag, 4. April 2019 - 19:30

Veranstaltungsort: 
Universitätsring 24
06108 Halle (Saale)
Telefon: 
(0345) 51100
Haltestelle: 
Moritzburgring, Joliot-Curie-Platz
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