Candide

Der junge Candide lebt in der besten aller möglichen Welten. Alles, was geschieht, ist gut. Das sagt immerhin Rollen-Name: Dr. Pangloss. Und der muss es wissen, ist er doch der bedeutendste Philosophicus des besten aller möglichen Fürstentümer Thunder-ten-tronckh in Westfalen. Dass die Burg bald von kriegerischen Rumänen geschliffen wird – egal! Dass seine geliebte Kunigunde dabei geschunden und verschleppt wird – hätte schlimmer kommen können! Denn am Ende wird sich alles zum Besten einstellen, so will es die metaphysische Kosmologie des Dr. Pangloss. Für Candide beginnt eine Irrfahrt um den Globus auf der Suche nach dem Glück und vor allem nach Kunigunde, an deren Ende sich alle ermattet als einfache Bauern wiederfinden. Die Ereignisse werden rückblickend wie folgt zusammengefasst: „Ich möchte wirklich wissen, was schlimmer ist: hundertmal von Piraten vergewaltigt zu werden, nur eine Arschbacke zu haben, bei den Bulgaren Spießruten zu laufen, bei der Inquisition ausgepeitscht und gehängt und bei lebendigem Leibe seziert zu werden, an die Galeerenbank gekettet zu sein – kurz, all das Elend zu erdulden, das wir alle durchgemacht haben, oder lieber hier zu sitzen und sich vor lauter Nichtstun tödlich zu langweiligen?“ Vielleicht, so dämmert es Candide, hat sich Dr. Panglos doch geirrt. Leonard Bernstein greift für seine Comic Operetta Candide auf die gleichnamige Satire des französischen Philosophen Voltaire zurück. Dessen Text wird unter Pseudonym 1759 gleichzeitig in mehreren Städten Europas veröffentlicht, um der strengen Zensur entgegenzuwirken. Voltaire kritisiert in seinem Candide, was auf Französisch so viel wie „Naivling“ bedeutet, mit Witz, Frechheit und beißendem Spott den philosophischen Optimismus, wie er unter anderem von Gottfried Wilhelm Leibniz vertreten wurde. In seiner Abhandlungen über die Theodizee von der Güte Gottes, der Freiheit des Menschen und dem Ursprung des Bösen von 1710 argumentiert Leibniz, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben müssen. Denn da Gott ein vollkommenes Wesen sei, so könne Gott auch nur eine vollkommene Welt erschaffen haben. So abenteuerlich wie Candides Heldenreise ist die Aufführungsgeschichte des Werkes. Als Operette 1956 uraufgeführt, floppte vor allem das Libretto, weil es kaum an die Textvorlage Voltaires heranreichte. Hugh Wheeler und Stephen Sondheim, der bereits die Songtexte zu Bernsteins West Side Story verfasste, arbeiteten das Stück 1974 unter Beibehaltung der Originalmusik zu einem Musical um, das immerhin auf 740 Vorstellungen am Broadway kam und mehrere Tony Awards gewann. Bernstein selbst legte gemeinsam mit dem Drehbuchautor John Wells 1988 eine revidierte Operetten-Fassung vor, die sich noch stärker an Voltaires Textvorlage orientiert. Die Komposition ist eine Hommage an die europäische Musik. Dabei greift er das Satirische auch klanglich als liebevolle Persiflage von musikalischen Formen wie dem Walzer, über die Barcarole bis hin zum Flamenco auf. Diese wilde und groteske Farce bringt Henriette Hörnigk auf die Bühne. Die Regisseurin und stellvertretende nt-Intendatin ist bestens bekannt für ihre klugen wie unterhaltsamen Publikumshits im Opernhaus wie Die Dreigroschenoper und das Musical Cabaret.
Rubrik(en): 
Bühne
Termin(e): 
Freitag, 11. Dezember 2020 - 19:30
Sonntag, 20. Dezember 2020 - 15:00
Freitag, 19. Februar 2021 - 19:30
Samstag, 27. Februar 2021 - 19:30
Sonntag, 14. März 2021 - 15:00
Donnerstag, 1. April 2021 - 20:00
Samstag, 24. April 2021 - 19:30

Veranstaltungsort: 
Universitätsring 24
06108 Halle (Saale)
Telefon: 
(0345) 51100
Haltestelle: 
Moritzburgring, Joliot-Curie-Platz

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