Denk ich an Deutschland

Der meistzitierte Vers des Schriftstellers Heinrich Heine geht bekanntermaßen so: »Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht«. Jedoch entpuppt sich dieser beliebte Reim im Verlauf des Gedichtes nicht als sentimentale Liebeserklärung oder Ausdruck patriotischen Schmerzes. Vielmehr ist es Heines bevorzugtes Spiel mit der Doppeldeutigkeit. Denn Heine ist mit nichts so sehr verbunden wie mit den Gegensätzen. Er bewegt sich außerhalb von Beständigkeit und Tradition. Schon früh hat er erlebt, wie durchlässig Lebenswelten sein können: Als Sohn jüdischer, aber nicht orthodoxer Eltern besuchte Heine zunächst eine christliche Schule, als er mit sieben Jahren Zeuge wird, wie man ein politisches System einfach gegen eine anderes austauscht. Später erlebt er dann die Ablösung Napoleons durch die Preußen. Heine selbst verbringt die ersten zwanzig Jahre seines Lebens in mindestens fünf verschiedenen Städten. Er studiert Jura, besucht aber auch philosophische Vorlesungen. Er dichtet in romantischem Gewand und mischt doch immer wieder politische Seitenhiebe unter. All das hat ihn zu einem unerschütterlich Wankelmütigen werden lassen. Zu einem flexiblen Denker, den die zunehmend komplexer werdende und deshalb nach klaren Grenzen strebende Gesellschaft unserer Zeit bitter nötig hätte. Der Regisseur Daniel Pfluger wird dem literarischen Werk Heinrich Heines im Kontext deutscher Geschichte und Musik nachspüren. In Halle stand schließlich das erste figürliche Heine-Denkmal Deutschlands. Nach dessen Vernichtung durch die Nationalsozialisten ziert 90 Jahre später ein überdimensionaler Heine-Kopf aus Sandstein den Uniplatz. Gleich hinter dem Theater.
Rubrik(en): 
Bühne
Termin(e): 
Freitag, 13. Dezember 2019 - 19:30
Samstag, 21. Dezember 2019 - 19:30
Sonntag, 22. Dezember 2019 - 19:30
Freitag, 17. Januar 2020 - 19:30
Samstag, 18. Januar 2020 - 19:30
Samstag, 1. Februar 2020 - 19:30
Sonntag, 2. Februar 2020 - 15:00
Freitag, 14. Februar 2020 - 19:30
Donnerstag, 5. März 2020 - 19:30

Veranstaltungsort: 
Große Ulrichstraße 50
06108 Halle (Saale)
Telefon: 
(0345) 51100
Haltestelle: 
neues theater (Tram: Linien 3, 7, 8)