Die Hallische Künstlergruppe als Impulsgeber in der städtischen Kunstlandschaft

Vortrag mit Dr. Isabell Schmock-Wieczorek Ende letzten Jahres begingen wir das 100-jährige Jubiläum der Novemberrevolution, die im Anschluss an den Ersten Weltkrieg das Herrschaftssystem des Deutschen Kaiserreich hinwegfegte und Platz machte für neue politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Wenn auch die Frage nach den Erfolgen der Revolution umstritten ist und viele der anfänglich gefassten hehren Ziele im Lauf der Zeit über Bord geworfen wurden, ermöglichte die Revolution in vielen gesellschaftlichen Bereichen einen Neuanfang. Vor allem schuf die von den Kieler Matrosen ausgehende revolutionäre Bewegung ein Klima, das weitreichende Gedankenexperimente ermöglichte und Künstler in ganz Deutschland beflügelte. Auch in Halle fand sich zu Beginn des Jahres 1919 eine Gruppe gleichgesinnter, vor allem bildender Künstler zusammen, der es in den folgenden Monaten gelang, im hallischen Kunstleben neue Impulse zu setzen und vor allem die städtischen Künstlerschaft als Interessengemeinschaft zusammenzuführen. Eine Handvoll Künstler bildete dabei den festen Kern der Hallischen Künstlergruppe, der sich bald zahlreiche Sympathisanten anschlossen. Martin Knauthe, Karl Völker und Richard Horn blieben bis zur Auflösung in der Mitte der zwanziger Jahre das eruptive Zentrum der Gruppe und mühten sich in politischer Interessenarbeit, publizistischer Tätigkeit, künstlerischem Schaffen und nicht zuletzt einer neuen Verortung des Kunstbegriffs um die Anerkennung des lokalen Kunstschaffens in der hallischen Kunstlandschaft einerseits und die Besserstellung des Künstlers in der Gesellschaft andererseits. Mit dem politischen Scheitern der Revolution und der Etablierung der Weimarer Republik verflog bald die anfängliche Euphorie der Revolutionsträger und sorgten bürokratische Hürden sowie die Uneinigkeit der Künstler untereinander für Ernüchterung auch unter den Mitgliedern der Künstlergruppe. Indem sich der verbliebene Gruppenkern der politischen Linken zuwandte, hofften sie dennoch auf die Verwirklichung ihres Manifestes, das unter anderem die unverbrüchliche Einbindung der Kunst in Gesellschaft und Staat vorsah. Das Auftauchen und Wirken der Hallischen Künstlergruppe in den Anfangsjahren der Weimarer Republik ermöglicht einen Blick auf das städtische Kunstsystem, das sich im ersten Jahrzehnt nach der Wende zum 20. Jahrhundert ganz wesentlich ausdifferenzierte und die geistigen und institutionellen Bedingungen für das Auftreten der Künstlergruppe schuf. So können einige markante Linien der Topographie der historischen Kunststadt gezeichnet werden. Inwiefern die damals formulierten Kunstideale für heutiges Kunstschaffen oder das Nachdenken über Kunst im musealen Raum beziehungsweise darüber hinaus relevant sind, bleibt zu diskutieren.
Preis: 
3,00 € | erm. 2,00 €
Rubrik(en): 
Lesungen und Vorträge
Termin(e): 
Donnerstag, 23. Mai 2019 - 18:00

Veranstaltungsort: 
Friedemann-Bach-Platz 5
06108 Halle (Saale)
Telefon: 
(0345) 212590
Haltestelle: 
Moritzburgring
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