Donna Juanita

Gleich zu Beginn macht der engste Vertraute des Titelhelden es unumwunden klar: »Don Juan ist das größte Schwein, das Gottes Erde je getragen hat.« Jetzt aber hat der Gottlose das Fass zum Überlaufen gebracht. Im Bestreben, sich »um den ganzen Erdball zu lieben«, hat Don Juan die heiligen Mauern eines Klosters überwunden und entweiht, was der Gesellschaft als unantastbares Mahnmal der Reinheit gilt: eine junge Nonne. Doch der Entweihung nicht genug; der begnadete Heuchler hat die Ordensschwester nach seinem Hochzeitsversprechen auch noch sitzengelassen und befindet sich weiter auf Kurs seiner triebhaften Welteroberung. Diese Schandtat ruft nun wiederum die Brüder der Sitzengelassenen auf den Plan und ein archaisches Spiel um Ehre und Rache deutet sich an. Und an genau diesem Punkt stiftet Molière humoristische Verwirrung. Er entlarvt ein System, das zwischen Orgie und Gottesdienst keinen Ausgleich mehr findet. Im 18. Jahrhundert verlieh Molière dem Mythos Don Juan seinen besonderen Platz als Freigeist zwischen verlogener Frömmelei und überzeugtem Atheismus, der als Figur im Widerstand gegen das Zeitalter der herrschenden Aristokratie subversive und ätzende Gesellschaftskritik übt. Molière greift in das männliche Kränkungs- und Vergeltungskarussell ein und wechselt beliebig dessen Richtung. Denn wo moralische Werte zu bloßem Formdiktat verkommen, installiert der französische Dichter das, was man umgangssprachlich als Player, als Schürzenjäger, als Frauenheld, Hallodri oder Bonvivant bezeichnete. Heute hingegen entlässt man solche Männer längst nicht mehr mit augenzwinkernder Anerkennung aus der moralischen Verantwortung. Heute sind es die Hochstapler, Heiratsschwindler und Hedonisten, die sich als bindungsunfähige und narzisstische Patienten in Therapie begeben und die auch auf den Theaterbühnen des Landes einen diskursiven Wandel durchlaufen. Regisseur Niko Eleftheriadis inszeniert zum 400. Geburtstag Molières »Donna Juanita« mit Schauspielerinnen des Ensembles und erweitert den Blick auf eine Theaterpraxis, deren literarischer Kanon Frauen bevorzugt über Liebe, Leid und Labsal definiert.
Rubrik(en): 
Bühne
Termin(e): 
Samstag, 23. April 2022 - 20:00
Sonntag, 24. April 2022 - 18:00
Mittwoch, 22. Juni 2022 - 20:00
Wo: 
nt - Kammer

Veranstaltungsort: 
Große Ulrichstraße 50
06108 Halle (Saale)
Telefon: 
(0345) 51100
Haltestelle: 
neues theater

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Veranstalter: 
Theater, Oper und Orchester GmbH Halle
Universitätsring 24
06108 Halle (Saale)
Telefon: 
(0345) 5110130
Fax: 
(0345) 5110202