Geht das schonwieder los - White Male Privilege

LASST UNS EINE SCHWEIGEMINUTE FÜR DEN WEISSEN MANN EINLEGEN. Inga, Lesley und Tom halten eine interne Krisensitzung ab. Ihr Magazin Cult Weekly steht in der Kritik »wegen einer angeblich rassistischen Titelseite«, die doch »eigentlich multikulturell gemeint« war: Lesley hat für das Cover der aktuellen Ausgabe eine nackte schwarze Frau gezeichnet, mit ausladendem Gesäß und vollen Lippen. Es sollte »eine Ode an die schwarze Frau« werden und ist nun Träger tief verankerter Stereotype. Digital braut sich bereits ein gehashtagter Protest zusammen. Und auf Twitter kommt zu allem Überfluss Unterstützung von rechts, um die man nicht gebeten hat. Die drei Angestellten nehmen sich dennoch fest vor, an einem Strang zu ziehen und ihre progressive Reputation zu verteidigen. Eine öffentliche Stellungnahme für die Pressekonferenz muss formuliert werden. Vielleicht kann da Rashid behilflich sein, der einzig nicht-weiße im Team. Doch er will als ethnisches Schutzschild nicht herhalten, und so wirft sich das unsicher gewordene und untereinander zerstrittene Trio in einer Telefonkonferenz seinem amerikanischen Boss zum Fraß vor. Die flämische Autorin Annelies Verbeke hat den gegenwärtigen Diskurs über Minderheiten, Diskriminierung und Meinungsfreiheit meisterhaft in Dialoge gegossen. Spielerisch blättert sie sich durch den Katalog der Argumentationsführung und zeigt, wie inhaltliche Auseinandersetzungen reflexhaft vereitelt werden. Der patriarchalen Trickkiste lauscht Verbeke jede noch so geschickte Strategie ab und entlarvt sie letztlich als erfindungsreiche Gesprächsblockade der Privilegierten, für die »politische Korrektheit« nicht etwa ein Kampf um Gleichstellung, sondern moralische Tyrannei bedeutet.
Rubrik(en): 
Bühne
Termin(e): 
Samstag, 31. Oktober 2020 - 20:00
Sonntag, 15. November 2020 - 18:00
Donnerstag, 26. November 2020 - 20:00
Wo: 
nt - Kammer

Veranstaltungsort: 
Große Ulrichstraße 50
06108 Halle (Saale)
Telefon: 
(0345) 51100
Haltestelle: 
neues theater

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