Musikalisch-Kulinarische Vortragsreihe: Herzkammern der deutschen Romantik

3. März 2020 - 20:00
Die musikalisch-kulinarische Vortragsreihe, wesentlich von der Gesellschaft der Freunde der Oper und des Balletts Halle e.V. unterstützt, knüpft im Operncafé an die Salonkultur des 19. Jahrhunderts an. Bei Brot und Wein unternimmt Musikkritiker Frieder Reininghaus seit 2017 gemeinsam mit Sängerinnen des Ensembles, Kapellmeistern und Korrepetitorinnen unterhaltsame Streifzüge durch die Musikgeschichte. Der durch seine Beiträge für Deutschlandradio, WDR und SWR bekannt gewordene Opernkritiker, Musikwissenschaftler und Herausgeber der Österreichischen Musikzeitschrift gibt spannende Hintergrundinformationen zu aktuellen Produktionen der Oper Halle: Entwicklungen der Rezeptionsgeschichte, Anekdoten, wenig bekannte Begebenheiten und Tatsachen. Reininghaus widmete sich bereits anhand von Beethovens Fidelio der dunklen Seite des Rokoko und dem Genre der Schreckens- und Rettungsopern. Ausgehend von Verdis Aida unternahm er eine Expedition zu den Exotismuswelten des Musiktheaters. In der Nachbarschaft von Sweeney Todd und der Dreigroschenoper kommentierte er sinistre Halbwelten. In der Saison 2018/19 widmete sich Reininghaus – quer durch die Jahrhunderte – u. a. anhand von Mozarts Bastien und Bastienne, Strauss’ Ariadne auf Naxos und Meyerbeers L’ Africaine den von ihren Männern verlassenen Frauen der Operngeschichte. Auch in der Spielzeit 2019/20 wird Frieder Reininghaus wieder den Spielplan begleiten. Im Kontext von Verdis Maskenball wird es um Masken und Maskierungen auf der Bühne gehen, im Umfeld von Mozarts Don Giovanni um den Libertin und die Promiskuität. Thema: E.Th.A. Hoffmann, Don Juan und Mozart – Herzkammern der deutschen Romantik Im Band Fantasie- und Nachtstücke der Werke E.Th.A. Hoffmanns findet sich die Novelle Don Juan. Erstmals erschien dieser Bericht über „Eine fabelhafte Begebenheit, die sich mit einem reisenden Enthusiasten zugetragen“, im Jahr 1813. Durch die Napoléonischen Kriege und den Zusammenbruch des preußischen Staates hatte der Gerichts-Assessor Hoffmann 1806 seine Stelle verloren. Zwei Jahre später heuerte der Jurist, Schriftsteller und hoch talentierte Amateur-Musiker am Theater Bamberg an – als Komponist, Dirigent, Theater-Maler, Bühnenbildner und Maschinist. Die Realitäten und Wunschträume in der fränkischen Residenzstadt haben sich in jenem Text niedergeschlagen, der auch Eingang in das Libretto einer später weltberühmt gewordenen Oper fand: Hoffmanns Erzählungen. Die um zwei Uhr nachts tödlich endende Kurzgeschichte ist der erste bedeutende Kommentar zur Oper Don Giovanni von Lorenzo Da Ponte und Mozart – und bis heute ein Schlüssel-Text der deutschen Romantik.
Rubrik(en): 
Lesungen und Vorträge
Termin(e): 
Dienstag, 3. März 2020 - 20:00

Veranstaltungsort: 
Universitätsring 24
06108 Halle (Saale)
Telefon: 
(0345) 51100
Haltestelle: 
Moritzburgring (Tram: Linien 3, 7, 8) Joliot-Curie-Platz (Tram: Linien 1, 2, 5, 6, 10)