Teseo

1. November 2020 - 15:00
Dramma tragico von Georg Friedrich Händel in einer Spielfassung von Martin G. Berger Libretto von Nicola Francesco Haym In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln Es spielt das Händelfestspielorchester Halle auf historischen Instrumenten Händel war 1713 gerade drei Jahre in London und wollte mit seiner neuen Oper Teseo an den phänomenalen Erfolg seines Rinaldo von 1711 anknüpfen. Er begann die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Librettisten und Musiker Nicola Francesco Haym, der für die Zauberoper Teseo auf die Textvorlage zu Jean-Baptiste Lullys Oper Thesée von Philippe Quinault zurückgriff. Der Bezug zur französischen Tragédie lyrique erklärt die für Händels Opern untypische fünfaktige Struktur des Werkes. Zum Skandal kam es nach der zweiten ausverkauften Aufführung, denn der Theaterdirektor machte sich mit den Einnahmen aus dem Staub, ohne nur eine Schuld beglichen oder ein Honorar bezahlt zu haben. Die Oper aber lief so erfolgreich, dass die Sänger*innen beschlossen, sie auf eigene Kosten weiterzuspielen und die Gewinne zu teilen. Die hallische Inszenierung entsteht unter besonderen Bedingungen, bedingt durch das Corona-Virus, im Frühsommer 2020. Dirigent Attilio Cremonesi und Regisseur Martin G. Berger haben ein 90-minütiges Pasticcio aus der Händels Teseo kompiliert, in welchem Kraft, Anmut und Emotionalität der Musik dennoch voll zum Tragen kommen. Obwohl die Oper nach dem griechischen Helden Theseus benannt ist, steht die mythologische Gestalt der Medea als vielleicht meist umkämpfte Heroin der Antike im Zentrum. Mannigfach wurde der Stoff in der Bildenden Kunst, der Musik und der Literatur – über Euripides, Grillparzer bis hin zu Christa Wolf und Heiner Müller – bearbeitet, sodass sich in der Rezeption unzählige Sedimente europäischer Kulturgeschichte nachzeichnen lassen. An Medea brechen sich bis heute Projektionsflächen und Aushandlungen von Weiblichkeit, sei es als Hexe, Mutter, Fremde, Kindsmörderin oder selbstbestimmte Frau. Die ambivalente Kraft dieser Figur hat sich, wie schon Händelbiograf Charles Burney anmerkte, in die Musik eingeschrieben. Denn besonders in den Accompagnato-Rezitativen wird „die wilde, ungebändigte Wut durch die Instrumente erstaunlich deutlich dargestellt“. Die Spielfassung von Martin G. Berger fokussiert nun Medea als archaische Strukturfigur in einem überzeitlichen Bilderbogen, der über die Antike ins Mittelalter, das 19. Jahrhundert und schließlich bis in die Neuzeit reicht. Die Neuproduktion in Halle folgt mit einem männlichen Sopran in der Titelpartie des Teseo der Besetzung der Londoner Uraufführung. Die Partie der Zauberin Medea übernimmt die Händelpreisträgerin der Stadt Halle Kammersängerin Romelia Lichtenstein. Titelheld Teseo wird von dem aufstrebenden Nachwuchsstar Samuel Mariño gegeben, der in Halle mit seinen glasklaren Koloraturen schon als Alessandro in Händels Berenice als „Sensation“ von der Fachpresse gefeiert wurde. Martin G. Berger hat seit Anfang der 2010er Jahre eine vielbeachtete Karriere als Opernregisseur hingelegt. Nach etlichen Preisen und einer Nominierung für den deutschen Theaterpreis DER FAUST inszeniert er nun erstmals an der Oper Halle.
Rubrik(en): 
Bühne
Konzerte
Termin(e): 
Sonntag, 1. November 2020 - 15:00
Sonntag, 17. Januar 2021 - 15:00

Veranstaltungsort: 
Universitätsring 24
06108 Halle (Saale)
Telefon: 
(0345) 51100
Haltestelle: 
Moritzburgring, Joliot-Curie-Platz

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