TROTZ BURG FEST: Kathrin Schinköth-Haase – Revolverschnauze

Das Stadtmuseum Halle veranstaltet vom 3. Juli bis zum 2. August 2020 eine Konzertreihe mit insgesamt 21 Veranstaltungen auf der Oberburg Giebichenstein. Unter freiem Himmel und mit der Saale als Kulisse werden hier mittwochs bis sonntags täglich Hallensern und Gästen Sommerkonzerte mit großer musikalischer Vielfalt geboten. „Hier haben sich Künstler zusammengefunden, die der Pandemie trotzen und einfach Musik und gute Laune verbreiten wollen“, erklärt Michael Proschek, der selbst Musiker ist und das Programm zusammenstellt. Mit dem Stadtmuseum fand sich ein Partner, der mit der Oberburg Giebichenstein einen Veranstaltungsort mit einzigartiger Kulisse bietet und wo es zudem möglich ist, alle aktuell bestehenden Hygienemaßnahmen umzusetzen. Clara Wortmann, geboren 1884, rothaariges Kuckuckskind, bekanntermaßen nicht die Tochter ihres Vaters: wächst auf in Gelsenkirchen, verprügelt Jungs, geht auf's erste Mädchengymnasium im damaligen Kaiserreich und schmeißt ihr Abitur für ein Leben als Künstlerin. Sie tingelt mit Theatergruppen durchs Land, ernährt sich von Zigaretten und Tee, verfeiert ihr bisschen Geld mit Freunden, steht 1907 das erste Mal auf einer Berliner Kabarettbühne und singt, gegen den Willen des Intendanten, ihr „Schmackeduzchen“. Einen Tag später ist sie der „Stern von Berlin“ – Claire Waldoff. Sie lebt schnell, laut und intensiv, niemand grölt so empfindsam wie sie. Ihre Lieder werden auf der Straße gepfiffen, sie ist die bestbezahlte Künstlerin in ganz Berlin, füttert Maler durch, verkauft massenhaft Schallplatten und kauft sich eine Gartenlaube. Sie lebt mit einer Frau zusammen, ist emanzipiert, bevor es das Wort gibt. Ihr „Wer schmeißt denn da mit Lehm“ ist der Soundtrack zur Weltwirtschaftskrise. Sie eckt bei den Obrigkeiten an, aber von den Bühnen kriegt sie keiner, das Kaiserreich nicht und die Nazis auch nicht. Ihr „Hermann heeßt er“ wird im Volksmund zum Spottlied auf Hermann Göring. Joseph Goebbels, der Bock vom Babelsberg, muss „damit leben, dass es sie gibt“. Nach einigen Konzerten in den 50ern in West-Berlin, die erstmals nicht ausverkauft waren, bekennt sie selber, dass „eben alles mal ein Ende hat“. Claire Waldoff stirbt am 22. Januar 1957. Im Friedrichstadtpalast steht das Publikum für eine Gedenkminute auf. Ein Leben, das erzählt werden muss. Katrin Schinköth- Haase setzt mit Waldoff-Liedern und Texten einige Blitzlichter auf das Wirken und Schaffen einer Frau, die sich in jeder Lebenslage treu geblieben ist und sagen konnte „Ich habe nie für die feinen Pinkels gesungen“. Beginn: 20:00 Uhr, Einlass ab 19:00 Uhr
Preis: 
12,00 € | erm. 7,00 €
Rubrik(en): 
Konzerte
Termin(e): 
Donnerstag, 23. Juli 2020 - 20:00

Veranstaltungsort: 
Seebener Straße 1
06114 Halle (Saale)
Telefon: 
(0345) 5233857
Haltestelle: 
Burg Giebichenstein

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