Vögel

Der junge Naturwissenschaftler Eitan verliebt sich in die Doktorandin Wahida. Er hat jüdische Wurzeln, sie arabische. Das macht es ihm schwer, seine neue Freundin in der israelischen Familie vorzustellen. Denn Eitans Vater vertritt durch seine Erfahrung als gebürtiger Israeli ein konfliktreiches Familien- und Gesellschaftsbild, das die Versöhnung mit Fremden strikt ausschließt. Auch Eitans Mutter Norah, deren Eltern ihr Judentum gegen den Glauben an den Kommunismus eingetauscht hatten, rät ihrem Sohn ab, zu heiraten. Doch dann passiert die Katastrophe. Eitan liegt nach einem Bombenattentat in Jerusalem verletzt im Krankenhaus. Wahida findet Eitans Großmutter, und aus ihren Erzählungen erfährt sie, dass der kompromisslose Israeli David eigentlich ein palästinensischer Bauernjunge ist, der von Großvater Etgar in einem eroberten Dorf gefunden und adoptiert wurde. Nachdem auch David die Wahrheit über seine Herkunft erfährt, stirbt er an einem Schlaganfall. Was für ein Drama, in dem sich Familie und Weltpolitik verbinden! Der libanesische Autor Wajdi Mouawad, Jahrgang 1968, hat mit VÖGEL ein modernes »Romeo und Julia« des Nahen Ostens geschrieben, eine aktuelle Variation auf »Nathan der Weise« – einen philosophischen Polit-Krimi im Wellmade-Play-Format, der mit leichter Hand eine Geschichte über den Zeitraum von zwei Jahren erzählt. Seine Dialogkunst entwirft souverän eine äußerst berührende und spannende globale Familiengeschichte, die über Generationen durch den Lauf der Weltgeschichte in heftiger Bewegung und starken Konflikten bleibt. Das Drama findet nur zum kleinen Teil auf Deutsch statt, vielmehr auf Englisch, aber auch Hebräisch und Arabisch. Auf Mehrsprachigkeit setzt auch die Inszenierung von Intendant Matthias Brenner, der für dieses internationale Projekt Schauspieler*innen verschiedenster Herkunft auf die Bühne des nt einlädt.
Rubrik(en): 
Bühne
Termin(e): 
Samstag, 29. Februar 2020 - 19:30
Samstag, 7. März 2020 - 19:30
Sonntag, 22. März 2020 - 15:00

Veranstaltungsort: 
Große Ulrichstraße 50
06108 Halle (Saale)
Telefon: 
(0345) 51100
Haltestelle: 
neues theater (Tram: Linien 3, 7, 8)